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Das dritte Zeitalter der Mündlichkeit hat begonnen

Europas führender Stimm-und Sprechwissenschaftler Prof. Oliver Niebuhr nimmt an Nikola Marquardts Fachdebatte teil

Dipl.-Journ. Nikola Marquadt, Spezialistin und Mentorin für Authentisches Personal Branding und den Aufbau von digitalen Expertenmarken
Dipl.-Journ. Nikola Marquadt, Spezialistin und Mentorin für Authentisches Personal Branding und den Aufbau von digitalen Expertenmarken · Foto: Sophie Valentin

Künstliche Intelligenz verändert nicht nur wie wir Texte schreiben, sondern auch, wie wir miteinander kommunizieren. Im Interview mit Nikola Marquardt auf Meinungsbarometer.info beschreibt Prof. Oliver Niebuhr von der University of Southern Denmark einen möglichen Wandel: Je leichter KI hochwertige Texte erzeugen kann, desto stärker rücke die individuelle Stimme als Ausdruck von Persönlichkeit, Glaubwürdigkeit und Charisma in den Vordergrund. Denn während sich schriftliche Kommunikation durch KI zunehmend angleichen, bleiben beim Sprechen zahlreiche individuelle Merkmale erhalten. Sprechtempo, Pausen, Betonung, Rhythmus und Intonation prägen, wie eine Aussage auf andere Menschen wirkt. Auch kleine Unregelmäßigkeiten können dabei zur menschlichen Wahrnehmung beitragen. Niebuhr sieht darin eine Renaissance der Mündlichkeit. Menschen diktieren Nachrichten, sprechen mit KI-Systemen und nutzen Sprachnachrichten zunehmend selbstverständlich. Deshalb bezeichnet er die gegenwärtige Entwicklung als „drittes Zeitalter der Mündlichkeit“. Gleichzeitig warnt der Wissenschaftler davor, stimmliche Überzeugungskraft mit Wahrhaftigkeit gleichzusetzen. Eine souverän oder sympathisch klingende Stimme kann Vertrauen erzeugen, ohne dass die dahinterstehenden Informationen tatsächlich korrekt sind. Gerade bei künstlich erzeugten Stimmen gewinnt diese Unterscheidung an Bedeutung. Damit stellt sich auch die Frage nach dem Schutz der eigenen Stimme. Niebuhr plädiert für Transparenz darüber, wann Menschen mit einer KI sprechen oder eine künstlich erzeugte Stimme hören. Auch die Zustimmung zur Speicherung, Nutzung und möglichen Reproduktion einer Stimme werde angesichts leistungsfähiger KI-Systeme zunehmend relevant. Die Entwicklung könnte damit zu einer neuen Kommunikationskultur führen: Während KI das Schreiben immer stärker automatisiert, gewinnt die Fähigkeit, mit der eigenen Stimme authentisch und überzeugend zu kommunizieren, an Bedeutung.

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